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Der grüne See

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400 Jahre "Guter Montag" in Buer

Alte Quellen bezeugen, dass in Buer im Jahre 1594 der sogenannte "Gute Montag" gehalten wurde, also vor 400 Jahren. Der Brauch, hier alljährlich um "Jakobi" (25.7.) die gesamte Bevölkerung zu einer Gemeindeversammlung mit einer besonders wichtigen Tagesordnung einzuladen, ist wahrscheinlich noch älter.

Protokoll Ein Bericht zum "Guten Montag" 1894, den der damalige Gemeindevorsteher Weymann dem Protokoll hinzugefügt hat, übermittelt uns folgendes:

"Guter Montag 1894"

"In Beziehung auf den diesjährigen "Guten Montag", gehalten am 16. July 1894, ist das Nachstehende noch zur Erinnerung an den heutigen Tag für spätere Zeiten niedergeschrieben worden:
Am heutigen Tage ist die Gemeindeversammlung nach der uralten Bauernstätte, nach Thye, Haus Nr. 35, z. Zt. Eigenthümer Glasermeister H. Niermann, einberufen und gehalten worden. Zu diesem Zwecke hatte Niermann den Platz vor seinem Hause, wo früher, wie alte Leute noch heute bekunden. eine Linde gestanden, unter welcher unsere Vorfahren zusammenkamen. festlich hergerichtet, indem daselbst Bäume angepflanzt und überall Kränze angebracht waren. Nachdem hier, wie alljährlich am Guten Montag geschehen, die Rechnung abgelegt, begab sich die rast vollzählig versammelte Gemeinde nach der Heiligen Seel zur alten Linde, unter welcher früher die Gau- und Hölzungsgerichte abgehalten sind. Nachdem die Gemeindemitglieder sich hier sehr zahlreich auf den hergerichteten Plätzen niedergelassen und ihnen eine Erfrischung, bestehend in Bier, geboten, welches auf Kosten der Gemeindekasse von Buer verabreicht wurde. hielt der unterzeichnete Gemeindevorsteher eine Ansprache an die Gemeindemitglieder. worin namentlich hervorgehoben. dass es wohl eine der ältesten Urkunden der Gemeinde Buer sei. welche es bekundet, dass der Gute Montag am 15. July 1594, nunmehr vor 300 Jahren, auch schon in der Gemeinde Buer gehalten ist, auch wurde noch mitgeteilt, dass im Jahre 1694 am 19. July und im Jahre 1794 am 21. July die Gemeinde Buer Guten Montag gehalten habe.
Im weiteren Verlauf der gehaltenen Ansprache wurde dann noch auf den Wandel, welcher im Laufe der verflossenen 300 Jahre in der Gemeindeverfassung stattgefunden, hingewiesen. Auf Grund der vorhandenen Urkunden wurde dann nachgewiesen, dass die Einwohner der Gemeinde Buer stets mit ganz besonderer Liebe an ihrer Heimath gehangen haben, und wurde zuletzt der schöne Wunsch, dass diese Liebe zur Heimath auch ferner unter den Einwohnern immer fort und fort bestehen möge in einem Hoch auf die Gemeinde Buer zum Ausdruck gebracht.
Am Abend des Tages fand dann noch ein von vielen Gemeindemitgliedern besuchtes Festessen bei Herrn Wenke, jetziges Versammlungslokal der Gemeinde Buer, statt, bei welchem noch manch schönes Wort gesprochen wurde."

der Gemeindevorsteher Weymann



Die in diesem Bericht erwähnte Urkunde vom 15. Juli 1594 hat. soweit bekannt, von den derzeit lebenden Bueraner nie jemand gesehen, und bei allem Bemühen ließ sie sich auch nicht auftreiben. Die vorhandenen Guten-Montags—Protokolle reichen bis 1675 zurück. In den vergangenen Jahrhunderten bildeten die Bauernschaften lange Zeit eigene Gerichtsbezirke, an deren Spitze gewählte Bur- oder Bauerrichter standen, die allerdings nur bescheidene Vollmachten besaßen. In den meisten Gemeinden wechselte dieses Amt jährlich, so auch in Buer, wo jeweils 4 Bauerrichter amtierten und am Guten Montag gewählt wurden. Wiederwahl war möglich, und manchmal waren die Amtsgeschäfte auch erblich an ein Gehöft gebunden, so ist 1731 von einem Erbbauerrichter Plohr in Wetter die Rede. Auf den teils als "Tie", teils unter anderen Namen bekannten Versammlungsstätten traten die Bürger sooft erforderlich, mindestens aber einmal im Jahr zusammen. Diese wichtigste öffentliche Gemeindeversammlung eines jeden Jahres heißt in Buer "Guter Montag", sie fand um "Jakobi" (25. Juli) statt. Es ist interessant, dass 1894 neben dem Platz unter der Linde auf der "Hilgensele" auch der "Tie" einbezogen war. ein öffentlicher Versammlungsplatz der Gemeinde östlich der Apotheke am heutigen Kampingring. Der "Tie" hat für Buer allgemein sicher eine wichtige Rolle gespielt. Das lässt einmal seine günstige Lage im Ortskern vermuten, zum anderen steht im Guten—Montags-Protokoll von 1718, dass im Thy-Garten ein Schandpfahl stand. Im Protokoll von 1775 steht, dass zur Bestrafung derjenigen, die aus dem Sunderbrok oder Buerschen Frehden Holz stehlen, bei der sogenannten Bauerschaftslinde ein Pfahl aufgestellt werden sollte, den Caspar Hermann Walter für 29 Mariengroschen lieferte. Es scheint die Annahme berechtigt, dass die örtliche Gerichtsbarkeit in Buer auch zuständig war für die Ahndung ehrenrühriger Handlungen. Die öffentliche Bloßstellung muss für die Bestraften deprimierend gewesen sein. Noch bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts mussten Bürger am Guten Montag gewisse Gemeindeabgaben - Canon genannt - entrichten. Die Gemeinde bezahlte ihrerseits Rechnungen für Arbeiten und Dienstleistungen, die in ihrem Auftrage ausgeführt worden waren, sie zahlte auch die Zinsen für geliehenes Kapital. Gemeindeeigene Grundstücke wurden an Bürger verpachtet, so u.a. für das Anlegen von Rötekuhlen, für die Grasnutzung durch Weidevieh, für den Bau von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie für Anlage und Erweiterung von Gärten. Verkäufe von Grund und Boden wurden getätigt und Wegerechte eingeräumt. Die Gelder dafür kamen in die "Bauerschaftslade", die Gemeindekasse. Es wurden auch Baumaßnahmen an Wegen, Straßen, Bachläufen und Brücken, Feuerschutzfragen und neue Erlasse der Obrigkeit behandelt. Alle Bürger, die im abgelaufenen Jahr zugezogen waren, z. B. auch durch Heirat, mussten einen bestimmten Geldbetrag entrichten, dafür erhielten sie das Bauerschafts- oder Bürgerrecht. Oft wurde dafür auch in Form von Bier oder Branntwein bezahlt.Da die neuen Bürger im Protokoll stets namentlich aufgeführt wurden, lässt sich heute noch feststellen, wann sie nach Buer gekommen sind, interessant für manche Familie



Gerichtslinde Regelmäßig führte man am Guten Montag eine Spendensammlung durch, der sogenannte "Bolldok" wurde herumgereicht, eine Art Klingelbeutel. Für kleinere Vergehen mussten Geldstrafen sofort bezahlt werden, z. B. dafür, dass Haustiere in fremden Gärten Schaden angerichtet hatten, dass man auf fremdem Grund Kühe oder Ziegen gehütet, dass man im Walde unbefugt Besenreiser geschnitten, "Pollholz" für Erbsenbraken entnommen, Plaggen zur Düngung gestochen oder Laub als Streu gesammelt hatte. Um im Walde für Ordnung zu sorgen, besonders im ortsnahen Sunderbrok, war ein "Mahlmann" angestellt, der jedes "Vergehen" anzuzeigen" und die "Übeltäter" am Guten Montag vorzuführen hatte. Die Bauerrichter verhängten dann entsprechende Strafen. Immer war es üblich, dass ein Teil der Einnahmen den Armen gegeben wurde. Ein erheblicher Betrag aber wurde für alkoholische Getränke ausgegeben, die meist in einer Gaststätte, bei gutem Wetter aber auch im Freien verzehrt wurden, z. B. unter der Linde, oft heißt es in den Protokollen auch "in Pohlmanns Hause" oder "vor dem Huntebrink mit Freuden verdrunken". ’ Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde jeder Guten-Montags-Abrechnung ein von Jahr zu Jahr wieder übernommener und den besonderen Verhältnissen entsprechend ergänzter Vorbericht vorangestellt. Im ersten Abschnitt heißt es immer:
"In der Ortsgemeinde Buer ist es seit undenklichen Zeiten gebräuchlich, dass in der um Jakobi jeden Jahres stattfindenden Gemeindeversammlung, genannt "der Gute Montag“", die Gemeinderechnung für das verflossene Calenderjahr abgelegt wird". Im Vorbericht von 1865 heißt es weiter:
"Außer der Erledigung anderer Gemeindesachen wurden alsdann die der Ortsgemeinde zu zahlenden Canons entrichtet, von den im vorhergehenden Jahr verheirateten oder neu hinzugekommenen Gemeindegliedern ein s. g. Bürgergeld von 1/4 bis 1 Thaler erhoben, Verpachtungen und Verkäufe vorgenommen, Rechnungen bezahlt und der etwaige Überschuss theils an die Armen verschenkt und theils vertrunken. Aß diese Sitte wenigstens seit 250 Jahren in der Ortsgemeinde Buer bestanden, lässt sich durch die vorhandenen Bauerschafts- oder Lagerbücher nachweisen. ” Über geleistete Zahlungen sind bis dahin Quittungen nicht ertheilt und auch nicht gefordert, weshalb die Ausgabekosten durch Quittungen nicht zu belegen sind. Die Versammlung hat übrigens an dem gestern abgehaltenen "Guten Montage" die gegenwärtige Rechnung für richtig anerkannt und dem früheren Vorsteher Köstring wegen seiner Rechnungsführung Decharge ertheilt."

Buer, den 26. Juli 1865
Der Gesamtvorsteher
E. H. Hölscher



Man sieht, wie sehr die Amtsgeschäfte auf "Treu und Glauben" abgewickelt wurden. Sicher war das so auf Dauer nicht möglich. Es war üblich, dass die Jahresabrechnungen dem Königlichen Amt Grönenberg zur Prüfung vorgelegt wurden. Wie wichtig unseren Vorfahren ihre Selbständigkeit war, geht aus folgendem hervor: Das Amt beschwert sich, dass in der Jahresabrechnung von 1867 ein Rechnungsbeleg gefehlt Dazu nimmt der damalige Gesamtvorsteher E.H. Hölscher in einem Schreiben vom 31.7.1868 Stellung:
"Königlichem Amte beehre ich mich in Folge des wieder angeschlossenen Rescripts vom 29. d. M. die Belege zur Haushaltsrechnung pro 1867 vorzulegen und dabei Folgendes gehorsamst zu bemerken:
Es ist in der Ortsgemeinde Buer niemals gebräuchlich gewesen, dass die vom Vorsteher geführte Haushaltsrechnung nach der Ablegung noch eine Zeit lang ausliegt, und hat aus diesem Grunde die hier fragliche Rechnung auch nicht ausgelegen. Dieselbe wird in der Gemeindeversammlung, genannt " der Gute Montag", wörtlich vorgelesen und darauf von einer sofort gewählten Commission - dieses Mal bestehend aus dem Kaufmann Balke und Bäcker Hanheide hierselbst revidiert. Das Ergebnis der Revision wird in dem von mir aufgenommenen Protokolle bemerkt, und damit, wenn keine Erinnerungen gestellt werden, die Sache als erledigt angesehen. Der Gute Montag - die Hauptgemeindeversammlung in der Ortsgemeinde Buer - wird stets gut besucht. Dieselbe wurde in früheren Jahren sogar unter Glockengeläute und bei brennenden Kerzen abgehalten, was jedoch seit etwa 20 Jahren abgeschafft ist. Der seit undenklichen Zeiten bestehende Gebrauch, bei Abhaltung des Guten Montags für einige Thaler Bier zu verzehren, ist jedoch beibehalten, und würden die Gemeindeglieder es als eine Einschränkung ihrer Freiheiten ansehen, wollte man dieses abschaffen. Bei dieser Versammlung werden nicht nur allerlei Gemeindeangelegenheiten zum Vortrage gebracht, sondern es werden auch etwa abzustellende Übelstände von der Versammlung in Augenschein genommen und, den Umständen nach, sofort an Ort und Stelle in Ordnung gebracht".
Soweit die sicher in mancherlei Hinsicht interessanten Ausführungen des damaligen Gesamtvorstehers Hölscher. Die Tatsache, dass das Läuten der Kirchenglocken zum Guten Montag als Sitte abgeschafft wurde, könnte u.U. mit dem Abriss der alten Kirche im Jahre 1852 zu tun haben. Hölscher vermerkt noch, dass 1867 vierzig Gemeindeglieder einen sogenannten Canon für gepachtetes Gemeindeland zu zahlen hatten. Die niedrigste Summe betrug 4 Pfennig, die höchste 13 Mariengroschen. Wörtlich heißt es:'° Einige dieser Canons kommen seit mehreren 100 Jahren vor".

Als sich die Art, den Guten Montag zu begehen, allmählich änderte, besonders seit Anfang unseres Jahrhunderts, liegt wohl in erster Linie daran, dass wegen der zunehmenden Kompliziertheit und des steigenden Umfanges der Verwaltungsaufgaben die Gemeindeangelegenheiten nicht mehr an einem Tage behandelt werden konnten wie zuvor, ° auch nicht in so einem kleinen Gemeinwesen wie Buer.
Das kann man aus dem Vorbericht des Gemeindevorstehers vom 1.4.1908 zur Jahresrechnung 1907 schließen, dort heißt es:
" In der Ortsgemeinde Buer bestand seit langen Jahren (nachweislich seit 3oo Jahren) die Sitte, dass in einer um Jakobi stattfindenden Gemeindeversammlung, genannt "der Gute Montag", die Rechnung für das verflossene Jahr abgelegt wurde, diese umfasste dann den Zeitraum vom 1. Juli des Vorjahres bis zum 30. Juni incl. des laufenden Jahres. Durch Gesetz vom 14. Juli 1893 ist jedoch bestimmt, dass, wie bei den Staatskassen, so auch für die Gemeindekassen das Rechnungsjahr von April zu April abläuft. Diesem entsprechend wird diese Rechnung vorgelegt, sie umfasst den Zeitraum vom 1. April 1907 bis 31. 1908. Durch Gemeindebeschluss vom 23. April 1908 ist bestimmt, dass diejenige Gemeindeversammlung, in welcher die Jahresabrechnung vorgelegt wird, den Namen " der · Gute Montag" weiterführen soll. An diesem Tage sollen, soweit möglich, die Eigenthümlichkeiten und Gewohnheiten jenes historischen Tages fortbestehen bzw. soll darauf hingewiesen werden, damit spätere Generationen sich an diesem Tage der Gewohnheiten ihrer Vorfahren erinnern".
Buer, den 1. April 1908
Der Gemeindevorsteher
Weymann


Hieraus geht eindeutig hervor, dass sich die Form des Guten Montag, der vor allem der Tag der Rechnungslegung, ein Zahltag war, ändern musste. Bereits nach der 1894 von Weymann beschriebenen 300—Jahr—Feier treten erste Veränderungen auf Entsprechend der neuen Festlegung über den Ablauf des Geschäftsjahres findet der Gute Montag im Frühjahr statt, meist zwischen April und Juni. Es ist aber der Tag der Rechnungslegung. Dem Rechnungsführer wird nach Prüfung Entlastung für das abgelaufene Jahr erteilt, und der Anschlag für den Etat des nächsten Geschäftsjahres wird diskutiert. A Der Begriff "Guter Montag" fehlt oft in den Protokollen, allerdings wird die seit vielen Jahren bestehende Sitte, zu Guten Montag 9 Mark aus der Gemeindekasse für Freibier zu bewilligen, weiterhin beibehalten. Hin und wieder wird auch das vergessen. Um "Jabobi" finden keine Gemeindeversammlungen mehr statt, außer 1911 und 1913. Aus den Protokollen ist auch nicht zu entnehmen, dass der Gute Montag, wie ursprünglich, unter freiem Himmel stattgefunden hätte. Er wurde im Versammlungslokal der Gemeinde Wenke in der Nähe des "Tie" abgehalten. Alle stimmberechtigten Bürger wurden dazu persönlich durch den Gemeindediener eingeladen. 1914 fand der Tag der Rechnungslegung am 4. August statt.Alle stimmberechtigten Bürger waren geladen. Wegen der Mobilmachung aber war die Versammlung so schlecht besucht, dass sie nicht beschlussfähig war. In den folgenden Kriegsjahren fand jedes Jahr eine Vorlage der Jahresrechnung statt. Am 3. Juni 1918 heißt es unter Punkt 7:" Nach Erledigung der Tagesordnung wurde das übliche Fass Bier zu Guten Montag vertrunken." Im Protokoll vom 15. November 1919 heißt es:
"Da alle Mitglieder vertreten, war die Versammlung beschlussfähig. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung und gedachte der früher auf sozialer Grundlage abgehaltenen "Burstie", wo jedes Gemeindemitglied seine Wünsche und Ansichten vorbringen konnte.
Vor langen Jahren wurde unter der noch heute grünenden Fehmlinde auf der Hilgensele die Jahresrechnung, der sogenannte "Gute Montag", im Hochsommer abgehalten. Das Alte ist vergangen, das Neue soll sich Bahn brechen, und somit verpflichte ich heute die neugewählten Ausschussmitglieder, die Interessen der Gesamtheit der Gemeinde Buer zu fordern. Partei- und persönliche Interessen müssen verschwinden, Gerechtigkeit und Arbeitsfreudigkeit sollen unsere Leitsterne sein, zum Wohle der Gemeinde Buer."
Gemeindevorsteher
Albersmann
Rögge



1920 war am 30. Juni der Tag der Rechnungslegung. Der Begriff "Guter Montag" fehlt. Freibier gab es nicht.



Es scheint, als sei mit dem Jahre 1919 das Brauchtum um den "Guten Montag" untergegangen. Dass wir heute trotzdem den 400. Jahrestag des "Guten Montag" feiern, verdanken wir einem Gemeinderatsbeschluss vom 3.5.1967. Dort heißt es im Protokoll der Gemeinde Buer unter Punkt 8:
"Der "Gute Montag", der am 31.7.1967 nach 39jähriger Unterbrechung wieder als öffentliche Gemeindeversammlung unter der Femelinde abgehalten werden soll, ist laut Beschluss des Rates durch den Festausschuss - Bgm. Leimbrock, Ratsherren Bockstette, Jobusch, Körner und Voth - mit der Verwaltung vorzubereiten.
Die öffentliche Gemeindeversammlung soll nach der traditionellen Gepflogenheit lt. Protokollbücher der Gemeinde durchgeführt werden.
Für den "Guten Montag" ist eigens ein Gästebuch anzuschaffen? Dem Rat lag nämlich damals ein Protokoll vor, das zu beweisen schien, dass 1928 der letzte"Gute Montag" stattfand. Im Protokoll über eine Sitzung des Festausschusses vom 17.05.1967 heißt es u. a.:
"Die Bevölkerung soll durch Aufrufe in der Presse usw. auf die öffentliche Gemeindeversammlung am "Guten Montag" hingewiesen werden. Der Spielmannszug der Schützengesellschaft Buer soll gebeten werden, anlässlich des "Guten Montag" mitzuwirken. Zum °'Guten Montag" 1967 sollen auf Beschluss des Festausschusses besonders eingeladen werden die noch lebenden früheren Gemeinderatsmitglieder, die am letzten "Guten Montag" im Jahre 1928 teilnahmen:
1. Herr August Bergsieker, Buer Nr. 155
2. Herr Wilhelm Bußmann, Buer Nr. 174
3. Herr Willy Metting, Buer Nr. 125
4. Herr Willi Schröder, Buer Nr. 100
ferner: Herr Landrat Rohr, Melle
Herr Oberkreisdirektor Wandhoff Melle
Herr Kreisverwaltungsrat Wippermann, Melle


Die Verwaltung wurde ferner beauftragt, ein Gästebuch speziell für den "Guten Montag" zu beschaffen, worin handschriftlich über den Ablauf der Gemeindeversammlung berichtet wird. Weiterhin soll jedem Anwesenden die Möglichkeit gegeben werden, sich eigenhändig in das Gästebuch einzutragen. Der Protokollführer soll mit jeweils 2 Mitgliedern des Festausschusses die Anwesenden zur Eintragung bitten. Für evtl. Geldspenden soll Freibier ausgeschenkt werden.



Vom Bürgermeister wurden die Mitglieder des Festausschusses darum gebeten, alte Bueraner, die früher am "Guten Montag" teilgenommen hatten, zu bitten, bei der Gemeindeversammlung am 31.7.1967 das Wort zu ergreifen, um in der Versammlung aus der Vergangenheit zu berichten. Vom Ausschuss wurde einstimmig beschlossen, anlässlich des "Guten Montag" 1967 200,-- DM aus Verfügungsmitteln für Freibier zur Verfügung zu stellen. Nach Wiederaufnahme des alten Brauches, den "Guten Montag" in Buer zu feiern, sind seit 1967 alle Protokolle in dem neuen Gästebuch verzeichnet. Das Protokoll von 1967 berichtet im wesentlichen folgendes:
Der Bürgermeister Heinz Leimbrock eröffnete um 20.15 Uhr die Versammlung und begrüßte die vielen Besucher. Es wurde die Niederschrift des damaligen Gemeindevorstehers Gröne über den "Guten Montag" vom 23. Juli 1928 verlesen und genehmigt. Dann knüpfte der Bürgermeister an alte Traditionen an, indem er die Versammlung durch einen interessanten Bericht über aktuelle kommunale Aufgaben informierte und damit Gelegenheit zu einer Aussprache gab. Auch über wichtige Zukunftsprojekte wurde gesprochen, so u. a. über eine mögliche große Gebiets- und Verwaltungsreform, Nach Grußworten der geladenen Gäste trug Dr. E. Gerkepott das Wichtigste und Interessanteste aus der Geschichte des "Guten Montag" vor. Am Schluss der Versammlung wurde auf Anfrage des Bürgermeisters einstimmig der Beschluss gefasst, den "Guten Montag" weiter jährlich am ersten Montag nach Jakobi durchzuführen. Leider lassen sich in Buer und auch im Staatsarchiv keine Gemeindeprotokolle aus den 20er und 30er Jahren mehr finden. Somit liegt auch das Protokoll vom "Guten Montag" 1928 nicht mehr vor, dafür aber die schriftliche Einladung dazu durch den damaligen Gemeindevorsteher Gröne. Sie lautet:
""Guter Montag" 1928 Am Montag, dem 23. July 1928, nachmittags 6 Uhr, findet auf der Hillgen Seele unter der Linde eine Gemeindeversammlung "Der Gute Montag 1928" statt, wozu sämtliche Gemeindeglieder nach altem Brauch, hiermit eingeladen werden. Auf der Tagesordnung stehen:
Allgemeine Rechnungsablage 1927/28 und freie Aussprache. Bei schlechtem Wetter muss die Versammlung bei Gastwirt Wenke in Buer stattfinden. Es wird um zahlreiches Erscheinen gebeten."
Buer, den 20. July 1928
Der
Gemeindevorsteher
Gröne



Bei einer neuerlichen Suche nach Hinweisen auf den "Guten Montag" wurden kürzlich Unterlagen gefunden, die beweisen, dass der "Gute Montag" in Buer auch in den Jahren 1929 bis 1933 gefeiert wurde. Es liegen neben den entsprechenden Einladungen durch den Gemeindevorsteher Gröne für 1929, 1930 und 1931 Zeitungsartikel über den Ablauf der Versammlungen und für 1929, 1930, 1931 und 1933 auch Teilnehmerlisten vor. Im Zeitungsartikel über den "Guten Montag" 1930 heißt es u. a.:
"Gestern Abend (28. Juli) fand einer alten Sitte gemäß hier der "Gute Montag" statt. Laut alter Urkunden wurde der "Gute Montag" seit 1594 am Montag nach Jakobi gefeiert. Auch gestern Abend versammelten sich die Bürger von Buer wieder unter der alten Linde auf der Hilgensele. Wie stets, so war auch der gestrige Abend wieder gut besucht. Ein Zeichen, dass die Bewohner von Buer alte Vätersitte zu schätzen wissen. Der historische Platz unter der alten Linde ist ein sehr schöner Versammlungsplatz. Hier mundet das Glas Bier besonders gut, zumal, altem Herkommen gemäß, ein Fass von den Gebühren für erworbene Bürgerrechte "spendiert" wird." —



Gemeindevorsteher Gröne eröffnete um 19.30 Uhr die Versammlung mit Begrüßungsworten an die Bürger. Er führte dann aus, dass der "Gute Montag" infolge der Änderung der Verwaltungsgesetzgebung nicht mehr die Bedeutung habe wie in den früheren Jahren, da ja der Gemeindeausschuss an die Stelle der Gemeindeversammlung getreten sei. In historischer Hinsicht, insbesondere aber zur Förderung der Gemeinschaftsarbeit und der Einigkeit in der Gemeinde sei es wohl dienlich und zweckmäßig, diesen Tag beizubehalten und ihn in althergebrachter Weise zu feiern. Um 20.30 Uhr erschien der Landrat Dr. Gossel und sprach Grußworte. Bei einer lebhaften Diskussion über die Finanzlage und andere Gemeindeangelegenheiten kam immer mehr Feststimmung auf; so dass die schönen Stunden in bester Harmonie schnell vergingen. Der vierhundertste "Gute Montag" am 25. Juli 1994 begann mit einer Feierstunde auf dem "Tie" am Kampingring. Auf dem festlich geschmückten Platz konnte Ortsbürgermeister Wemer Weßler zahlreiche Gäste begrüßen. Er verlas u. a. eine von Wilhelm Hensiek verfasste Rückschau auf die Geschichte des "Guten Montag" in Buer. Im Anschluss an diese Feierstunde wurde die öffentliche Gemeindeversammlung traditionsgemäß unter der Gerichtslinde auf der Hilgensele fortgesetzt. Dort begrüßte der Ortsbürgermeister in Plattdeutsch vor allem viele Kommunalpolitiker der Stadt Melle. Vertreter der Kirchen und Schulen, die Presse und die Firma Rahe, die den Verlauf des "Guten Montag" auf Videofilm festhielt. Unter den vielen Bueraner Bürgern befanden sich auch einige, die als Gemeinderatsmitglieder 1967 dazu beigetragen haben, den "Guten Montag" nach längerer Pause wieder aufleben zu lassen.



Nach Verlesung des Protokolls vom Vorjahr gab der Ortsbürgermeister den Anwesenden gemäß alter Tradition einen interessanten Bericht über die wichtigsten Geschehnisse im Ortsteil Buer während des letzten Jahres und einen Ausblick auf Vorhaben in der nächsten Zukunft. Folgende Gebiete wurden dabei angesprochen:
Straßenbau - Unterhaltung und Planung
Baugebiete
Öffentlicher Personennahverkehr
Schulen und Kindergarten.
Interessante Einzelheiten sind dem Protokoll zu entnehmen. Nachdem außer Bürgermeister Schwertmann auch Stadtrat Gilbeau und Pastor Stickel ein Grußwort gesprochen hatten, schloss sich die übliche öffentliche Aussprache an. Was einzelne Bürger dabei bewegte und zur Diskussion stellten ist ebenfalls im Protokoll nachzulesen. Die Grönegau— Musikanten umrahmten das Programm, und selbstverständlich gab es auch das traditionelle Freibier. Nach dem gemeinsamen Lied " Kein Schöner Land" schloss Ortsbürgermeister Weßler die öffentliche Gemeindeversammlung "Guter Montag I994". Wenn auch das ursprünglich charakteristische Merkmal des "Guten Montag", nämlich der Tag der Rechnungslegung zu sein, zwangsläufig verlorengehen musste, ist es eine große Besonderheit , dass sich die alte Sitte, den "Guten Montag" alljährlich um "Jakobi" zu begehen, bis heute in Buer erhalten hat.

Heimat- und Verschönerungsverein Buer e.V./Geschichte/Guter Montag

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